Digitale Selbstbestimmung · Matthias Herbst
Bis eine Nachricht im falschen Moment kommt.
Es ist ein ganz gewöhnlicher Abend. Du möchtest noch schnell deine Nachrichten lesen. Zwischen einer Verabredung und einer Versandbestätigung erscheint eine Mitteilung, die angeblich von deiner Bank stammt.
Dein Zugang müsse überprüft werden. Andernfalls drohe eine Einschränkung.
Du bist müde. Morgen brauchst du das Konto. Also öffnest du den Link.
Die Seite sieht vertraut aus. Du gibst deine Zugangsdaten ein. Danach sollst du noch etwas bestätigen.
Was du für einen Sicherheitscheck hältst, könnte gerade der Moment sein, in dem du fremden Menschen Zugang zu einem wichtigen Teil deines Lebens gibst.
Diese Szene ist ein erfundenes Beispiel. Das Vorgehen dahinter ist real: Phishing-Nachrichten können bekannte Unternehmen überzeugend nachahmen und Menschen dazu bringen, Zugangsdaten auf gefälschten Seiten einzugeben. Gute Sprache oder ein vertrautes Logo sind kein Beweis für Echtheit. Darauf weist auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hin.
Wie gut kennst du dein digitales Leben?
Vielleicht denkst du gerade: „So etwas würde ich erkennen.“ Vielleicht auch: „Jetzt mache ich mir Sorgen.“
Ich möchte dich zu einer anderen Frage einladen:
Weißt du, was du tun würdest, wenn eine deiner wichtigsten digitalen Verbindungen plötzlich wegfällt?
- Wenn du morgen dein Smartphone verlierst: Kommst du noch an deine wichtigsten Konten?
- Wenn deine Fotos verschwinden: Gibt es eine weitere Kopie?
- Wenn du dich nicht mehr in dein E-Mail-Konto einloggen kannst: Weißt du, wie du den Zugang wiederherstellst?
Solche Fragen betreffen Erinnerungen, Beziehungen, Geld und die Möglichkeit, den eigenen Alltag zu organisieren. Und sie verdienen Aufmerksamkeit, bevor etwas passiert.
Zwischen „Akzeptieren“ und „Später“
Vieles entscheiden wir im Vorbeigehen. Eine App möchte Zugriff auf Kontakte. Eine Website bittet um Zustimmung. Ein Update kommt ungelegen. Eine Datensicherung nehmen wir uns für später vor.
Das ist nachvollziehbar. Niemand möchte seinen Feierabend mit Einstellungen und Berechtigungen verbringen.
Doch wenn wir Entscheidungen immer wieder vertagen, bleibt häufig ungeprüft, ob die vorhandenen Einstellungen noch zu unseren Wünschen passen.
Welche Informationen möchtest du teilen? Welche Gespräche sollen privat bleiben? Welche Erinnerungen möchtest du zuverlässig aufbewahren?
Die Antworten darauf sind persönlich. Genau deshalb lohnt es sich, sie selbst zu geben.
Nimm dir heute zehn Minuten
Du musst nicht deinen gesamten digitalen Alltag an einem Wochenende verändern. Beginne mit einer Bestandsaufnahme:
- Deine wichtigsten Zugänge: Welche drei Konten wären für dich besonders schwer zu verlieren?
- Deine Erinnerungen: Welche Fotos oder Dokumente gibt es bislang nur an einem Ort?
- Deine Apps: Bei welchen Anwendungen möchtest du die Zugriffsrechte überprüfen?
- Dein Notfallplan: Wo findest du Hilfe, wenn ein Zugang gesperrt ist oder du einen Betrugsversuch vermutest?
Schreibe eine Sache auf, die du heute angehen möchtest. Eine genügt für den Anfang.
Für unerwartete Nachrichten gilt außerdem: Lass dich nicht über einen enthaltenen Link zur Anmeldung drängen. Öffne die bekannte App oder rufe die offizielle Website selbst auf. Bei Zweifeln frage über einen unabhängig bekannten Kontaktweg nach. Das BSI empfiehlt diese getrennten Wege zur Prüfung verdächtiger Aufforderungen.
Warum ich dieses Buch geschrieben habe
Bei meiner Arbeit in der Informationssicherheit und im Finanzsektor beschäftige ich mich mit Fragen, die im Alltag vieler Menschen ankommen: Wem kann ich vertrauen? Was sollte ich schützen? Und was kann ich selbst tun?
Daraus ist mein Buch „Selbstbestimmt in der digitalen Welt“ entstanden.
Ich möchte Wissen so vermitteln, dass du Zusammenhänge verstehst und daraus eigene Entscheidungen entwickeln kannst.
Auf 101 Seiten begleiten dich 17 Kapitel durch Themen wie Kontenschutz, Smartphone-Einstellungen, Messenger, Datensicherungen und den Umgang mit betrügerischen Nachrichten. Übungen, Checklisten und ein 30-Tage-Plan helfen dir beim Umsetzen.
Du kannst dort beginnen, wo dich gerade eine Frage beschäftigt.
Warte nicht auf einen Zwischenfall
Vielleicht ist heute der richtige Zeitpunkt, einen Zugang zu überprüfen. Ein Backup anzulegen. Oder genauer hinzusehen, wenn eine Nachricht Druck macht.
Du brauchst dafür keinen perfekten Plan. Du brauchst einen Anfang.
Dein nächster Schritt
Lerne das Buch kennen und entdecke, was du für deinen digitalen Alltag mitnehmen kannst.
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Matthias Herbst